Christian Gotthilf Salzmann

geboren: 01.06.1744 in Sömmerda
gestorben: 18.10.1811 in Schnepfenthal  

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Seine eigene Kindheit war glücklich und wohlbehütet - Mitte des 18. Jahrhunderts durchaus keine Selbstverständlichkeit. Diese Kindheit war der Schlüssel für Christian Gotthilf Salzmann, um zu einem der wichtigsten Pädagogen und Volksaufklärer seiner Zeit zu werden.
Am 1. Juni 1744 kam Christian Gotthilf Salzmann in Sömmerda an der Unstrut als Sohn des dortigen Pfarrers Johann Christian Salzmann zur Welt. Hier verbrachte er seine Kindheit. Auch nach seinem Schulwechsel 1756 an die Lateinschule in Langensalza war sein Vater der wichtigste Lehrmeister. Er bereitete ihn auch auf das Theologiestudium (1761-1764) in Jena vor. Von 1768-1772 arbeitete er in einer pfarramtlichen Praxis in Rohrborn, einem kleinen Dorf bei Erfurt. 1770 heirate er die Pfarrerstochter Magdalene Sophie Schnell. Von 1772 bis 1780 war Salzmann an der Erfurter Andreaskirche tätig.
1780 wechselte Salzmann nach Dessau. Hier war er von 1781-1784 als Religionslehrer am Dessauer Philanthropinum tätig. Der Wechsel war für Salzmann die Befreiung von kirchlich lehrhafter Gebundenheit und orthodoxer Bevormundung. Doch schon bald stellte sich heraus, dass trotz aller Freiheit auch die Dessauer Erziehungsmethodik in vielem nicht dem entsprach, was Salzmann schon so lange beschäftigt hatte. Er wollte die "erlebte Pädagogik": Tun und Gelingen, Versuch und Misserfolg, Beobachten und Überdenken, Erfahrung und Einsicht - ausgerichtet darauf sollte Erziehung angelegt sein.
Mit dem Plan, eine "Gesellschaft" zu gründen, deren Hauptgeschäft die Erziehung sei, wandte sich Salzmann an Herzog Ernst II. von Gotha. Er bat diesen um Unterstützung für den Kauf des Landguts Schnepfenthal in den Vorbergen des Thüringer Waldes bei Gotha, das ihm wegen seiner Ferne zur Stadt für seine pädagogischen Zwecke geeignet erschien.
Der Fürst ließ sich von der Idee begeistern, und mit einem ordentlichen fürstlichen Grundkapital versehen, verließ Salzmann Dessau. Am 29.02 1784 siedelte er nach Schnepfenthal über. Nach beschwerlichem Anfang kamen 1785 die ersten Schüler, Carl Ritter, später Geograph zu Berlin, und dessen Bruder nach Schnepfenthal.
Um die Jahrhundertwende war Schnepfenthal in ganz Europa längst ein Begriff unter Aufklärern und Pädagogen geworden. Gelehrte aus Amsterdam und Aragon, der Bürgermeister von Rotterdam, Klopstock, Wieland, Jean Paul, Goethe und Fichte - sie alle wollten sich ihr eigenes Bild von Salzmanns neuer Erziehung machen.
Religiöse Gesinnungsbildung, moralische Besserung, Pflege des Gemüts und Schulung des Verstandes gehörten ebenso unverzichtbar zum Unterricht dazu, wie das Kennen lernen und Beobachten der Heimat und der Natur, wie turnerische Übungen und handwerkliche Arbeit in den schuleigenen Werkstätten oder im Garten.
Bis zuletzt kümmerte sich Salzmann persönlich um die täglichen Morgenandachten und die Gottesverehrung am Sonntag im Schnepfenthaler Beetsaal. Am 18. Oktober 1811 starb er, knapp ein Jahr nach dem Tod seiner Frau Sophie Magdalene, mit der er in mehr als 40jähriger Ehe 15 Kinder hatte, 67jährig in Schnepfenthal. Seinem letzten Willen entsprechend pflanzte ihm seine Schulfamilie einen Holunderbusch aufs Grab.

 




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